
Wenige Minuten später treiben ich und meine Männer unsere Pferde an und verlassen die Stadt gen Westen. Nur wenige Stunden dauert der Ritt denn da wir jetzt wissen wo unser Ziel liegt, können wir die gut ausgebauten Straßen nutzen und erreichen noch vor dem Sonnenzenit Saint-Flour und sehr schnell das Haus des Heilers. Ich lasse das gierende Nachbarspärchen in Haft nehmen für den Fall, dass die Information untauglich ist breche die Tür der mir aufgezeigten Hütte auf. Der Heiler ist zu Tode erschrocken, versucht aber nicht zu fliehen und leistet kaum Widerstand. Der Rest des Hauses ist leer. Meine Männer schlitzen jede Matratze auf und zerbrechen jeden Verschlag, können aber niemanden finden.
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23. Mai 1244 im Jahre des Herrn. Seit nunmehr zwei Monden reisen mein Trupp und ich durch die Lande. Da die südlichen Grenzen Okzitaniens durch den spanischen König überwacht werden, habe ich einen Weg eingeschlagen, der mich nordöstlich treibt. Der Flüchtling wird meines Erachtens nach nicht mit dem Pferd unterwegs sein, da ihn dies zu sehr auf geeignetes Gelände beschränkt und er den Schutz der Wälder so nicht nutzen könne. Ihn in den Wäldern zu suchen wäre verlorene Zeit, aber er wird die Ortschaften nicht vollends meiden können, da auch sein Leib nach Nahrung verlangt. Unsere Strategie ist simpel, aber effizient. Einen Tag reiten wir, dann bei einsetzender Dämmerung verstreue ich meine Männer in alle Himmelsrichtungen, auf das sie sich bei der nächsten Dämmerung wieder bei mir einfinden um zu berichten. So bilden wir einen riesigen Stern, der durch das Land zieht um nach dem Ungläubigen zu leuchten. In den letzten Tagen begannen Zweifel an mir zu nagen. Nicht ob der Richtigkeit meiner Vermutungen über die Existenz des Flüchtlings sondern der Richtung, die wir einschlugen.
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Das Papier, das eigentlich für die dunkle Kirche bestimmt war, wurde vorbereitend ausgebreitet, prophylaktisch dem Körper noch eine kräftige Dosis Magnesium zugeführt. Lange zehn Minuten später setzte es dann tatsächlich wieder ein. Diesmal war Marek wachsam und registrierte, dass er begonnen hatte zu schreiben. Allerdings verlor er schnell den Überblick über die Anzahl der gefüllten Seiten. Zu keinem Zeitpunk aber war es ihm so, als würde seine Hand wie mit einer Fernbedienung gesteuert werden. Nein, es war so wie immer – die Gedanken entstanden in seinem Kopf und er schrieb sie nieder – zwar mit einer Schrift, die zum Himmel schrie und nichts mit der aus der dunklen Kirche gemein hatte, aber es war seine Hand, die die Feder über das Blatt führte.
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Als der Sohn die Küche betrat, nahm die Mutter gerade einen kleinen Stapel Teller aus dem Schrank und stellte sie auf den Tisch: „Du kommst genau richtig. Das Essen ist fertig.“ Marek nahm schweigend einen der Teller und stellte ihn zurück in den Schrank bevor die Mutter ihren Irrtum bemerkte. Die anderen Beiden wies er gewohnten Plätzen zu und ließ sich dann auftun. Es gab Königsberger Klopse aus der Dose.
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Wieder begann die frische Luft schnell und wirksam seinen Verstand zu reinigen. Er musste sich aufwärmen und das trübe Herbstwetter war dazu nicht geeignet. Dennoch entwich die unnatürliche Kälte und lies einen abermals verwirrten Schriftsteller zurück, der sich an eine der Pappeln lehnte und wartete, bis seine Gedanken wieder die gewohnt geordneten Bahnen einnahmen.
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Die Luft roch wie so oft nach Regen und die stoppeligen Felder verströmten den Duft von Erde. Drei Rehe standen in der Ferne äsend im Feld und eine Schar Vögel schien sich für den Flug ins Winterquartier zu rüsten. Im Hintergrund stand einsam der nun kahle Baum, in den der Blitz vor einigen Tagen gefahren war. Marek entsann sich eines alten Gedichtbands von Georg Trakl, der bei seiner Mutter im Regal stand. Er hätte die düsteren Zeilen in diesem Augenblick ohne Probleme ergänzen können. Marek rieb sich die Augen und musste gähnen. Der Blick blieb an dem getöteten Baum hängen. Schwarz zeichneten sich die verkohlten Äste vom grauen Hintergrund ab. Er erinnerte sich an die Euphorie, die er empfand als er den Einschlag vom Gipfel des Kirchenberges aus beobachtet hatte und schämte sich fast ein wenig. Er wollte noch einmal die Fenster der „weißen Kirche“ betrachten. Der Zufall hatte ihm die Möglichkeit gegeben sich frei in dem Gebäude zu bewegen und das wollte er nun nutzen um vielleicht selbst etwas über diese langhalsigen Geister herauszufinden. Hatte er Geister gesagt? Bisher waren es doch immer irgendwelche Tiere aus der Fabelwelt gewesen? Egal.
Marek umstrich den Dorfrand, nickte unterwegs dankend einigen Beileidsbekundungen vorbeikommender Einwohner zu und gelangte zum Pfarrhaus. Er klingelte um festzustellen ob der Pfaffe schon unterwegs war. Die bereitgelegte Ausrede, für den Fall, dass der Hausherr doch noch zugegen war, brauchte er nicht und so betrat er wenig später das Gotteshaus und schloss wieder hinter sich ab.
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Der Morgen kam langsam und träge durch die Fenster im Arbeitszimmer gekrochen. Fast so, als hätte der Tag zuvor eine Schuld hinterlassen, die dieser zu begleichen scheute. Der Wolkenteppich der Nacht hatte sich nicht zerstreut und ließ die Welt in einem trüben und makelbehafteten Zustand erwachen.
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„Wollen wir zu mir gehen? Dort ist es warm.“ Der Vorschlag war gut. Dort würde Marek nichts an den Traum des alten Herrn erinnern. Beide wussten, dass die Art Kälte, die Marek hatte frösteln lassen kein Ofen in den nächsten Tagen vertreiben würde.
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Dr. Lötzsch saß im Aufenthaltsraum der Stationsschwestern und grübelte. Natürlich hatte er ein eigenes Arbeitszimmer – manche hätten es aufgrund seiner Größe sogar als Büro bezeichnet – aber er mochte das gesellige Treiben und Schnattern der Schwestern und konnte sich hier auf oft unverstandene Weise herrlich entspannen. Jetzt allerdings war ihm so gar nicht nach Entspannung
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Es war Sonntag. Marek hatte nach dem gestrigen Kuchenschmaus am Gartenzaun noch etwas Ordentliches gegessen, erneut lange geduscht und den nackten, noch warmen Körper in frische Bettwäsche versinken lassen. Er wollte sich nicht wieder für Stunden im Abtippen von Texten verlieren sondern lag einfach nur so da, sah aus dem Fenster und schlief irgendwann ein. Genau wie seine Mutter, schlief er lange zehn Stunden.
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