Autorenarchiv

Essenz – Tag 11 – Dienstag – 4. Teil

VÖ: Sonntag, 18 Juli, 2010 | Autor: peter | 67 mal gelesen

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Wenn ich heute so zurückblicke, würde mir eine Erzählung dessen wohl zu fantastisch erscheinen, als dass ich es hätte glauben können. Das Aufgehen in göttlicher Liebe war nicht mehr reiner Glaube – es war Wissenschaft geworden. Wir nutzten die Elemente der Natur, also die Werke des Schöpfers, um uns ihm zu nähern und machten ihn spürbar für jeden. Mehr noch. Wir machten die unsterbliche Seele, die Essenz, greifbar und zeigten einen Weg, wie sie zu befreien – nein – zu retten war. Und dieser Weg führt nicht über den Zehnt oder die Beichte oder andere weltliche Prozedere, die der katholischen Kirche so am Herzen lagen. Nein, es war die direkte Verbindung mit Gott. Es war allein das Gebet und der Glaube an den Herrn, das es uns ermöglichte uns selbst zu befreien.

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Essenz – Tag 11 – Dienstag – 3. Teil

VÖ: Sonntag, 11 Juli, 2010 | Autor: peter | 78 mal gelesen

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„Es ist doch nur ein Blatt.“, sagte ich, aber da stürmten sie schon atemlos auf mich zu und warfen mich um als wäre ich einer ihrer Spielkameraden.
„Nein, das darfst du nicht. Diese Bäume symbolisieren den Gedanken unseres Glaubens.“, keuchte Arnaldus.

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Essenz – Tag 11 – Dienstag – 2. Teil

VÖ: Sonntag, 4 Juli, 2010 | Autor: peter | 80 mal gelesen

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„Wo sind wir?“, fragte ich ängstlich. Zischen und Brodeln mischte sich zu dem Knacken vieler kleiner Feuer. Dazu kam das Klirren von Glas und Keramik. Einzelne Menschen huschten eifrig hin und her, trugen Gefäße mit schimmernden Flüssigkeiten und große Zuber, in denen klares Wasser schwappte. Einer der Menschen drehte sich zu uns um und kam auf mich zu. Große schwarze Brauen saßen über den dunklen Augen. Das Gesicht war ausgeprägt und ähnelte Zeichnungen, die ich einst aus fernen Ländern sah. Sein Kopf war bedeckt von einem bunt bestickten Tuch. Seine Kleidung war ebenfalls sehr farbig und hing, einem Talar gleich, große Falten schlagend von ihm herab. Seine Haut war tiefbraun – fast von bronzener Färbung.

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Essenz – Tag 11 – Dienstag – 1. Teil

VÖ: Sonntag, 27 Juni, 2010 | Autor: peter | 92 mal gelesen

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Sein Rücken bestrafte Mareks Trägheit mit aller Härte und zwang ihn fünf Stunden später doch noch den Weg in die erste Etage anzutreten. Das Bett lockte ihn zwar, aber auch der nicht übertragene Stapel Papier, der immer noch aus der dunklen Kirche übrig war, bot seine Reize dar. Um den Sieger nicht sofort zu küren, vermied Marek die Bettkante und setzte sich auf den Stuhl am Schreibtisch.

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Essenz – Tag 10 – Montag – 11. Teil

VÖ: Sonntag, 20 Juni, 2010 | Autor: peter | 117 mal gelesen

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„Also erstmal finde ich es schade, dass du hier bei uns so schlecht schläfst. Also ich meine bevor-“, versuchte Heike etwas verlegen die Kurve zu kriegen. „Bevor das mit Heinz passiert ist und da du mich schon wieder so verwundert anschaust, erklär’ ich dir gleich mal den Zusammenhang. Also: Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, dann achte mal drauf. Du wirst das Brummen nur hören, wenn du zu wenig Schlaf bekommen hast. Wenn du so richtig schön matschig im Kopf bist und eigentlich im Stehen einschlafen könntest. Glaub’ mir, wenn du erstmal Mutter bist, kannst du erst recht ein Lied davon singen.“

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Essenz – Tag 10 – Montag – 10. Teil

VÖ: Sonntag, 13 Juni, 2010 | Autor: peter | 133 mal gelesen

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Wir sind bereits fünf Tage unterwegs. Eis und Schnee haben die noch grünen Wiesen Norditaliens abgelöst und schneiden mit scharfen Winden in Mensch und Tier. Meine Männer versuchen kein Anzeichen von Schwäche zu zeigen, aber selbst mir gelingt es nicht immer die Festigkeit der Stimme zu wahren. Ich weiß, dass ich auf dem richtigen Pfad bin. Der Herr führet mich und wird mich nicht zagend machen.

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Essenz – Tag 10 – Montag – 9. Teil

VÖ: Sonntag, 6 Juni, 2010 | Autor: peter | 121 mal gelesen

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Ich und meine Männer verlassen die klösterlichen Mauern. Der Schmied wird das Aufräumen für uns übernehmen. Mein Geist braucht Zeit um einen neuen Plan zu schmieden und so entlasse ich mein kleines Gefolge für heute und setze mich in einen kleinen Zypressenhain am Rande der Stadt. Der Flüchtling kann noch nicht weit gekommen sein. Dass er aus Montségur stammt, steht jetzt außer Frage und auch, dass er ein Geheimnis mit sich trägt. Die Spur lässt sich zurückverfolgen und die zeitlichen Abläufe passen genau. Es schien keine Lüge zu sein, dass dem Heiler der Name nicht genannt wurde. Ich kann also davon ausgehen, dass er ein Geheimnis mit sich trägt. Eine Reliquie oder auch nur eine Botschaft in seinem Kopf. Die Richtung ist der Osten. Ich skizziere die Position der zwei Leichenfunde und die von Saint-Flour vor mir in die Erde. Als ich mich vorbeuge, trifft ein Sonnenstrahl meinen Nacken. Die Wärme tut unsagbar wohl und beruhigt mein Gemüt. Fast ist es, als ob der Herr zu mir spricht: ‚Du brauchst dich nicht zu eilen – es wird dir schon gelingen’. Ich überlege weiter. Meines Wissens verbleibt nur noch eine Hochburg der Albigenser und die liegt in meinem geliebten Italien. Das wäre der einzige Ort, an dem dieser Flüchtende noch Schutz finden könnte, denn Furcht regiert den Klerus auf dem Lande und das Wissen um meine Suche wird seinen Beitrag leisten. Ja, das muss es sein. Der Herr hat mir einmal mehr den richtigen Weg eingegeben. Ich werde mich direkt zu den Toren von Sirmione begeben und dort Tag und Nacht über das Umland wachen. Er wird weiterhin zu Fuß wandeln müssen und, meinen Schätzungen nach, drei weitere Monate für die Reise benötigen. Und wenn es soweit ist, werde ich da sein. Sollte ich mich verrechnet haben, so wird der Klerus ihn mir früher oder später in die Hände spielen.

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Essenz – Tag 10 – Montag – 8. Teil

VÖ: Sonntag, 30 Mai, 2010 | Autor: peter | 118 mal gelesen

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Wenige Minuten später treiben ich und meine Männer unsere Pferde an und verlassen die Stadt gen Westen. Nur wenige Stunden dauert der Ritt denn da wir jetzt wissen wo unser Ziel liegt, können wir die gut ausgebauten Straßen nutzen und erreichen noch vor dem Sonnenzenit Saint-Flour und sehr schnell das Haus des Heilers. Ich lasse das gierende Nachbarspärchen in Haft nehmen für den Fall, dass die Information untauglich ist breche die Tür der mir aufgezeigten Hütte auf. Der Heiler ist zu Tode erschrocken, versucht aber nicht zu fliehen und leistet kaum Widerstand. Der Rest des Hauses ist leer. Meine Männer schlitzen jede Matratze auf und zerbrechen jeden Verschlag, können aber niemanden finden.

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Essenz – Tag 10 – Montag – 6. Teil

VÖ: Sonntag, 16 Mai, 2010 | Autor: peter | 110 mal gelesen

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Das Papier, das eigentlich für die dunkle Kirche bestimmt war, wurde vorbereitend ausgebreitet, prophylaktisch dem Körper noch eine kräftige Dosis Magnesium zugeführt. Lange zehn Minuten später setzte es dann tatsächlich wieder ein. Diesmal war Marek wachsam und registrierte, dass er begonnen hatte zu schreiben. Allerdings verlor er schnell den Überblick über die Anzahl der gefüllten Seiten. Zu keinem Zeitpunk aber war es ihm so, als würde seine Hand wie mit einer Fernbedienung gesteuert werden. Nein, es war so wie immer – die Gedanken entstanden in seinem Kopf und er schrieb sie nieder – zwar mit einer Schrift, die zum Himmel schrie und nichts mit der aus der dunklen Kirche gemein hatte, aber es war seine Hand, die die Feder über das Blatt führte.

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Essenz – Tag 10 – Montag – 5. Teil

VÖ: Sonntag, 9 Mai, 2010 | Autor: peter | 93 mal gelesen

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Ich habe einen Plünderungsstopp erlassen. Auch wenn die Heerführer der Basken nicht gerade glücklich darüber sind und glauben, dass Rom als Erster alle Schätze an sich reißen will, liegt mir nichts ferner. Den Goldschatz, der in diesen Mauern verborgen sein soll, halte ich für einen Mythos und selbst wenn, sollen die Männer sich doch eine kleine Belohnung gönnen. Meine Gedanken gelten den letzten Worten des Bischofs und der stummen Akzeptanz seiner Gefolgschaft im Angesicht des sicheren Todes.

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